Relevanz durch Zugehörigkeit

Ich lese Nachrichten über meine Stadt nicht weil ich will, sondern weil ich dort lebe. Ich lese über Softwareentwicklung nicht aus Neugier, sondern weil es mein Beruf ist. Was wir als relevant sehen ist per Lebenssituation definiert. Straße, Stadtteil, Branche, Familie. Relevanz ist keine Wahl, sie ergibt sich aus dem was du bist.

Bei mir hat sich das verschärft seit ich Vater bin. Plötzlich sind Schulpolitik und Kinderärzte-Bewertungen relevant. Nicht weil ich mich dafür interessiere, sondern weil ich nicht zurückbleiben will. Das ist kein Engagement, das ist Pflicht. Nicht Interesse, Zugehörigkeit.

Ich frage mich ob das der stärkste Filter ist den es gibt. Nicht was du willst, sondern wo du stehst. Kein Algorithmus muss mir sagen was wichtig ist, meine Lebenssituation tut das bereits. Aber das klingt auch nach Druck, nach FOMO mit anderem Namen.

Vielleicht ist die Grenze zwischen gesunder Zugehörigkeit und zwanghaftem Informieren dünner als ich dachte. Wann hört Relevanz auf nützlich zu sein und fängt an zu belasten? Das weiß ich noch nicht.