Selbstbild als Kontext

Ich lese denselben Artikel heute anders als vor einem Jahr. Nicht weil sich der Text geändert hat, sondern weil ich mich geändert habe. Wir filtern nie neutral. Jede Nachricht wird durch unsere Erfahrungen, Gedanken, Wünsche gefiltert. Das ist kein Bug.

Bei mir merke ich das am deutlichsten morgens. Ich öffne die gleichen Quellen, aber was ich anklicke hängt davon ab was mich gerade beschäftigt. Letzte Woche war es Deployment-Infrastruktur, diese Woche ist es Typografie. Mein Selbstbild, mein Jetzt-Denken, filtert bevor ich bewusst entscheide.

Was wenn genau dieses Selbstbild der Kontext ist den wir mitgeben sollten? Nicht ein algorithmischer Filter der vorgibt neutral zu sein. Sondern ein ehrlicher Kontext der sagt: das bin ich, das habe ich erlebt, das beschäftigt mich gerade. Vielleicht ist der ehrlichste Filter der der zugibt dass er filtert.

Aber ich bin mir nicht sicher ob ich mein Selbstbild überhaupt kenne. Jonas würde sagen: Selbstbilder sind voller blinder Flecken. Ein Filter der auf etwas basiert das ich selbst nicht ganz verstehe, wie gut kann der sein?