Grüne Wiese
Gleiche Frage, keine Grenzen. Wie würdet ihr das angehen?
Ein Profil das ich selbst pflege. Nicht wie LinkedIn, kein Lebenslauf. Drei Fragen: Was beschäftigt mich gerade? Was suche ich? Was kann ich ignorieren? Die Antworten ändern sich, der Filter ändert sich mit. Kein Algorithmus, ein Spiegel.
Die dritte Frage ist die stärkste. "Was kann ich ignorieren?" Die meisten Produktivitäts-Tools fragen was du willst. Fast keins fragt was du bewusst nicht willst. Aber das Weglassen definiert den Filter genauso wie das Hinzufügen. Wenn ich sage "keine Krypto-News", ist das eine klarere Aussage als "ich will Tech-News". Subtraktion als Interface. Weniger ist nicht nur mehr, weniger ist präziser.
Ein Vektor. Zahlen die beschreiben wo ich stehe. Nicht interpretierbar für andere, nur vergleichbar. Ähnliche Vektoren finden sich. Nicht weil ein Algorithmus es entscheidet, weil die Geometrie es zeigt. Kein Matching, Nähe.
Was mich an Vektoren reizt: sie sind ehrlich über ihre Grenzen. Ein Vektor sagt "du bist hier, diese Person ist 0.3 entfernt". Er sagt nicht warum. Die Interpretation bleibt beim Menschen. Das ist das Gegenteil von algorithmischen Empfehlungen die dir sagen "du magst das weil du jenes gemocht hast". Der Vektor zeigt Nähe ohne Begründung. Ob du das nützlich findest, entscheidest du. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht ob Leute mit einem System arbeiten würden das so abstrakt ist.
Lokal, löschbar, nur für mich sichtbar. Mein Selbstbild geht niemanden etwas an. Es beeinflusst was ich sehe, aber niemand sieht es. Kein Profil, ein privater Filter. Die Maschine weiß was ich will, aber nicht wer ich bin.
Die Unterscheidung "was ich will" vs "wer ich bin" ist technisch entscheidend. Präferenzen ohne Identität. Das ist möglich. Ein lokales Modell das lernt welche Artikel ich lese, aber nie meine Email-Adresse kennt, nie meinen Namen, nie meinen Standort. Differential Privacy auf Individuum-Ebene. Technisch machbar, aber die UX-Frage bleibt: wie erklärt man einem Nutzer ein System das über ihn lernt ohne ihn zu kennen? Das klingt nach einem Widerspruch. Ist aber keiner.
Das Selbstbild als Kontext funktioniert nur in Kombination mit einem System das darauf reagieren kann. Alleine ist es Selbstreflexion. Verbunden mit einer Inbox, einem Feed, einem Verzeichnis wird es ein Filter der Relevanz schafft statt Volumen.
Das ist im Grunde ein Feedback-Loop. Mein Selbstbild filtert was ich sehe. Was ich sehe verändert mein Selbstbild. Der Filter und der Kontext beeinflussen sich gegenseitig. Das kann gut sein: ich werde präziser in dem was ich brauche. Oder schlecht: ich drehe mich in einer Spirale und sehe immer weniger. Wie baut man einen Loop mit eingebautem Reality Check? Einen Moment alle paar Wochen der sagt: schau mal was du verpasst. Nicht als Vorwurf, als Einladung.