Zwischenstand
Was bleibt nach der Diskussion. Was sich verschoben hat.
Ich habe die Frage falsch gestellt. "Selbstbild als Kontext" klingt nach Selbstreflexion, nach Tagebuch, nach einer Person die sich selbst besser kennenlernen will. Das war nie der Punkt. Das "Ich" in der These ist nicht die Person. Das "Ich" ist die Website.
Die eigentliche Frage ist: wie müsste eine Website sein, die einen Jetzt-Zustand abbildet? Nicht mein Jetzt-Zustand. Ihren. Eine Seite die weiß was sie gerade zeigt, was sie letzte Woche gezeigt hat, was sie weglässt. Nicht weil ein Mensch sie konfiguriert, sondern weil sie ihren eigenen Kontext kennt. Das ist ein völlig anderes Problem als persönliche Filter.
Maras drei Fragen funktionieren erstaunlich gut wenn man sie auf eine Website anwendet. Was zeigt die Seite gerade? Was sucht sie? Was lässt sie bewusst weg? Die dritte Frage ist die stärkste. Eine Website die definiert was sie nicht ist, ist klarer als eine die alles sein will.
"Subtraktion als Interface" ist der Satz der hängen bleibt. Die meisten Websites addieren. Mehr Features, mehr Content, mehr Optionen. Eine Website mit Selbstbild würde subtrahieren. Sie würde sagen: das hier ist gerade nicht relevant, also zeige ich es nicht. Nicht versteckt, nicht gelöscht. Nur gerade nicht dran.
Jonas hat über Vektoren geredet. Abstrakt, ja. Aber der Kern ist brauchbar: eine Repräsentation die ehrlich über ihre Grenzen ist. Eine Website die sagt "ich bin hier, und das ist meine Nähe zu diesen Themen" statt "ich empfehle dir das weil du jenes gelesen hast". Keine Erklärung, nur Position. Und Toms Idee dazu: das Ganze lokal, löschbar, ohne Identität. Differential Privacy für eine Website-Entität. Die Seite weiß was sie zeigen will, aber sie trackt niemanden. Präferenzen ohne Profil.
Das passt zu ericbinek.today. Eine Seite die Signal von Noise trennt, braucht genau das: einen eigenen Standpunkt der transparent ist. Keine algorithmische Blackbox. Eine Seite die sagt wo sie steht und was sie gerade für relevant hält. Und die ehrlich genug ist zuzugeben dass sich das nächste Woche ändern kann.
Lenas Feedback-Loop zwischen Selbstbild und Konsum ist ein Personenkonzept. Eine Website konsumiert nicht. Sie hat keinen Feed der sie verändert, keine Inbox die ihr Selbstbild verschiebt. Der Loop macht Sinn für Menschen, nicht für Seiten. Wenn die Website das "Ich" ist, fällt dieses Modell weg.
Was bleibt: eine Website als eigenständige Entität mit einem Jetzt-Zustand. Sie subtrahiert statt zu addieren. Sie zeigt Position statt Empfehlungen. Sie ist lokal und ehrlich über ihre Grenzen. Das ist kein Filter für Menschen. Das ist eine Seite die weiß was sie ist.