Zwischenstand
Die These war: Signal ist was bleibt wenn du den Noise abschaltest. Die Diskussion hat gezeigt dass Filter das Problem nicht lösen. Die Frage ist nicht was du liest, sondern wer du bist und wozu du gehörst.
Mara und Tom landen bei der gleichen Idee: warten, Zeit vergehen lassen, nur lesen was überlebt. Der Gedanke ist sympathisch. Zeit als Gefährte, fast als Kompagnon. Aber du musst wissen was das Rauschen war um zu identifizieren ob es wiedergekommen ist. Das bedeutet dass du nichts gewinnst. Toms 48-Stunden-Regel ist die gleiche Idee mit komplizierteren Regeln. Das ändert nichts am Grundproblem.
Jonas' Crowd-Filtering trifft den Nerv, aber aus einem anderen Grund als er denkt. Wir sind als Menschen alle unterschiedlich. Andere Gedanken, Wünsche, Vergangenheiten. Alles ist ohnehin mit unserer eigenen Perspektive gefiltert. Wir filtern nicht neutral, nicht kompatibel übertragbar. Aber was wäre wenn genau das der Wert ist? Die biologische Repräsentation einer Erfahrung, akkumuliert und gefiltert, das ist dein Jetzt-Denken. Und dieses Selbstbild als Kontext mitgeben ist ehrlicher als jeder algorithmische Filter.
Lena hat recht dass die Quelle entscheidet. Aber die Frage ist breiter. Was wir als relevant sehen kann so viel sein und ist für jeden unterschiedlich. Wir haben per Lebenssituation ohnehin wichtige Nachrichten. Was passiert in meiner Straße, meinem Stadtteil, meiner Stadt, meiner Region. Was in meiner Branche, meinem Hobby. Was passiert gerade für mein Geschlecht, meine Lebenssituation als Ehemann und Vater. Was wenn wir relevante Inhalte lesen nicht um Teil von etwas zu sein, sondern weil wir Teil von etwas sind und nicht zurückbleiben sollen?